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Ausstellungseröffnung

mit Konzert, am 04.10.2020 um 16:00 Uhr

„`Es schuf mir einen Klangteppich´, singt Isabel Neuenfeldt, wenn sie ihr Akkordeon vorstellt. Und wirklich: Ihr klarer Sopran und das alte Akkordeon verschmelzen zur musikalischen Einheit. [..] Und dabei wollte Sie erst gar kein Akkordeon spielen. `Ich bekam es geschenkt,´ sagt sie. Nach ein paar Versuchen jedoch wurde das Instrument „wie ein zweiter Bauch“. Vor allem das Bassmanual nutzt sie für die Begleitung. Mit wenig Gestig, aber Stimmvielfalt singt sie ihre Lieder.“ (Hann. Allgem. Ztg., 2009)

„Erich Mühsam habe ich erst im Jahre 2004 kennen gelernt. Anlässlich seines 70. Todestages wurde für ihn eine Art Requiem in Oranienburg vorbereitet: an dem Ort, wo er ermordet wurde – und ich begann für diese Gedenkfeier vorsichtig, seine Gedichte zu vertonen.“

Mehr Informationen zur Künstlerin: http://isaneu.de/

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VERSCHOBEN auf 2021: Die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) im Nationalsozialismus und das RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) Meiningen als Teil eines illegalen Netzwerkes

Vortrag zum ITF-Netzwerk und dem RAW Meiningen

Vortrag von Dr. Dieter Nelles, Wuppertal

Die ITF wurde 1896 von britischen Seeleuten als weltweiter Dachverband der Transportarbeitergewerkschaften gegründet. Sie hatte unter Leitung ihres Generalsekretärs, des Niederländers Edo Fimmen, eine besondere Bedeutung im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die in der ITF organisierten illegalen Gruppen der Eisenbahner, Seeleute, Binnenschiffer und Hafenarbeiter gehörten zu den aktivsten gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen und bildeten programmatisch eine eigenständige Richtung des Arbeiterwiderstands. In dem Vortrag wird ein Überblick über den ITF-Widerstand von 1933-1945 gegeben und welche Rolle der Meininger Eisenbahner Paul Hildebrandt darin einnahm.

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Meiningen und die Bakuninhütte im Aufbruch zur Demokratie – ein Versuch

Kaffeefahrt in Meiningen, am 24.10. 2020

Geführte Rundreise zu historischen Orten in und um Meiningen

Die Bakuninhütte bei Meiningen 498 Meter über NN, etwa 6 km von MGN entfernt, und doch mittendrinnen in der Geschichte der 20iger Jahre.

Es gibt viele Bezugspunkte der Erbauer*innen der Bakuninhütte zur Stadt. Meiningen war eine bürgerliche Stadt mit vier Kasernen und einer Residenz aber auch einem Reichsbahnwerk (RAW) mit weit über 1.000 Arbeiter*innen. Etliche davon waren anachosyndikalistisch organisiert. Sie waren die Erbauer*innen der Bakuninhütte.

Diese Bezugspunkte wollen wir auf einem Stadtrundgang besuchen:

  • Das RAW: 1919 wurde aus der Betriebsbelegschaft heraus eine Ortsgruppe der anarchosyndikalistischen FAUD gegründet.
  • Die Hauptkaserne: Dort gründete sich im November 1918 der Soldaten- & Arbeiterrat. Dabei war Otto Walz, ein Syndikalist, später Mitbegründer des Siedlungsvereins Gegenseitige Hilfe e. V.
  • Das große Palais: Ort der Machtübernahme durch den Soldaten- & Arbeiterrat, obgleich dieser Rat an der Macht später nicht beteiligt war.
  • Die Wolfsschlucht: Die „Blutnacht von Meiningen“ wurde damals so bezeichnet, weil die Arbeiterschaft gegen die Reaktion Stellung bezog. Drei Tote hat es gegeben.
  • Das Volkshochschulheim: Eduard Weitsch, der Gründer des ersten deutschen Volkshochschulheims, legte zwar Wert auf Neutralität, aber dennoch gab es Beziehungen zur Bakuninhütte.
  • Die Bakuninhütte: Die Bakuninhütte entstand auf einer Freifläche, nahe Meiningen, Anfang der Zwanziger Jahre und wurde von syndikalistischen Arbeiterfamilien erbaut. Sie diente bis zu Ihrer Enteignung durch die Nationalsozialisten als Ausflugsziel für Gäste aus Nah und Fern und als Bildungsheim.

24.10. 2020; 12:00 Uhr am Bahnhof Meiningen
(Unkostenbeitrag für Bus, Kaffee und Kuchen: 15 Euro)

Anmeldung  (bei den NaturFreunden) bis zum 17.10. 2020 erforderlich!

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ONLINE: Lasst los die Hebel der Maschinen!

Geschichten, Gedichte und Lieder von Erich Mühsam, am 21.11. 2020 um 19:30 Uhr

Lasst los die Hebel der Maschinen!

Drei Genoss*innen der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken Erfurt führen an diesem Abend literarisch durch das Leben Erich Mühsams. Seine Geschichten, Gedichte und Polemiken sind zugleich künstlerische Erzeugnisse als auch Sachberichte und Agitationen für den kommunistischen Anarchismus. Mühsams Leben als Bohemien im Berlin des beginnenden 20. Jahrhunderts über die bereits vergessene Novemberrevolution bis hin zu seiner Ermordung im Konzentrationslager Oranienburg durch die Nazis wird Witziges, Absurdes, Trauriges und Empörendes die Lesung mit Vortrag, aber auch Gitarrenklang und Gesang begleiten. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und live auf unserem Facebook-Kanal übertragen. Leider können wir aktuell keine Zuschauer*innen im Charlotte-Eisenblätter-Haus empfangen. Den Live-Stream erreicht ihr über folgenden Link: https://fb.me/e/1Rem58QC9

21.11. 2020; 19:30 Uhr

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ACHTUNG VERSCHOBEN auf 2021: Anarchosyndikalismus in Sömmerda Spurensuche einer vergessenen Gewerkschaftsbewegung

Vortrag zu Anarchosyndikalismus in Sömmerda, VERSCHOBEN auf 2021

Vortrag mit Filmschnipseln von Dr. PD Annegret Schüle, Erfurt

Sömmerda, ein Zentrum der Rüstungsindustrie, wurde 1919 zu einer Hochburg der Freien Arbeiter-Union Deutschland (FAUD). Die anarchosyndikalistische Organisation verband eine revolutionäre Grundhaltung mit striktem Antizentralismus. Der Vortrag stellt diese außergewöhnliche Entwicklung vor, untersucht die Praxis der FAUD im Kampf gegen Kapp-Putsch, Rüstungsproduktion und Lohnabbau sowie bei Genossenschaftsprojekten und diskutiert den Umgang mit diesem Erbe in der DDR und im vereinigten Deutschland.

Gedenkstein der FAUD für die Opfer des Kapp-Putsches auf dem Sömmerdaer Friedhof. Quelle: Repro nach A. Schüle, BWS Sömmerda – Die wechselvolle Geschichte eines Industriestandortes in Thüringen (1816-1995), S. 373.

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ACHTUNG VERSCHOBEN auf März 2021: Anarchistische Streifzüge mit Ilja Trojanow

Filmvorführung & Diskussion: Oasen der Freiheit, am 27.03. 2021 um 16:30 Uhr

Ein Film von Martin Hanni u. Kurt Langbein

Der Schriftsteller Ilija Trojanow besucht selbstverwaltete Projekte: Etwa das spanische Dorf Marinaleda, wo die Uhren anders laufen und die Bewohner seit Jahrzehnten dem Kapitalismus trotzen. Oder die Insel Ikaria, wo keine Uhren laufen, die Menschen zeitlos leben und älter werden.
Für Anarchisten gibt es einen dritten Weg, eine Alternative zu Kapitalismus und Kommunismus. Die Freiheitsidee steht für sie über allem und ist die Grundlage von allem.
“Für mich ist Anarchismus einerseits eine Schule des kritischen Denkens, andererseits des widerständigen Handelns. Diese zwei Momente sind sehr wichtig, weil sie einander gegenseitig natürlich bedingen, motivieren.” Ilija Trojanow, Schriftsteller und Weltensammler, macht sich im Film “Oasen der Freiheit” auf Spurensuche nach anarchistischen Lebensweisen.
Literarisch und historisch versiert, besucht er Erinnerungsorte der Bewegung, anarchisch denkende und handelnde Menschen. “Wenn man sich die großen historischen Scheidepunkte des 20. Jahrhunderts anguckt, wird man überall feststellen, dass Anarchisten oft als Erste erkannt haben, dass die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen immer wieder in die falsche Richtung gehen.” So etwa in Russland 1918, als sie das Entstehen einer neuen Bürokratie und eine gefährliche Konzentration von Macht beobachteten.
Erzählend wandert Ilija Trojanow zur Bakuninhütte, einem Wanderhaus der anarcho-syndikalistischen Bewegung im Thüringer Wald in Deutschland. Benannt ist die Hütte nach Michail Bakunin, einem russischen Revolutionär, Anarchisten und Gegenspieler von Karl Marx. Die Hütte wurde Mitte der 1920er-Jahre gebaut und war bald ein Anlaufpunkt für Freigeister aus der ganzen Republik. Anfang der 1930er-Jahre wurde die Bewegung der Anarchisten in Thüringen von den Nationalsozialisten verboten, sie nutzten die Hütte und das Gelände als Unterkunft und Übungsplatz. In der DDR-Zeit wurde das Gebäude gegen den Willen der Erbauer-Gemeinschaft in den Besitz der SED überführt. Es befand sich mitten im Grenz-Sperrgebiet, seine Geschichte wurde totgeschwiegen. Erst nach der Wende wurde die Hütte wiederentdeckt und von Mitgliedern eines Wandervereins renoviert.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden subversive Lebensräume auch in Trojanows Heimatland Bulgarien brutal niedergeschlagen. Im Film besucht der Autor die Stadt Jambol im Osten des Landes sowie die nahe gelegene EU-Außengrenze.
Ganz Spanien leidet unter der Wirtschaftskrise. Ganz Spanien? Im andalusischen Dörfchen Marinaleda haben die Bürger Arbeit, Häuser, grüne Gärten. Gemeinsam mit Dichter und Übersetzer José Oliver besucht Ilija Trojanow das Dorf, in dem die Landarbeiter in den letzten vier Jahrzehnten in Selbstverwaltung eine Idylle geschaffen haben: Vollbeschäftigung, 15 Euro-Mieten, keine Werbung und keine Polizei.
Auf der griechischen Insel Ikaria atmen die Bewohner eine besonders freiheitsliebende Meeresluft. Sie leben ohne Zeit und Stress – auch eine Form der Anarchie, zumindest gegen die Krankheiten der Moderne. Hier werden die Menschen älter als anderswo. Diese erstaunliche Insel wurde auch von der Literatur längst für sich entdeckt, etwa im aktuellen Roman von Uwe Timm oder im frühsozialistischen Werk von Étienne Cabet.
Die Dokumentation untersucht auch das Verhältnis von Anarchismus und Feminismus, etwa bei anarchistischen Netzwerkaktivistinnen in Wien oder gemeinsam mit Dilar Dirik, die über den Kampf der kurdischen Frauen im Norden Syriens berichtet.

Dauer: 50 min, 3 Sat, 2018

Nach dem Film wird ein Mitglied des Wandervereins Bakuninhütte für Fragen zur Verfügung stehen.